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1852 tödlicher Streit in Laichinger Wirtshaus
02.11.2008, 22:59
Beitrag: #1
1852 tödlicher Streit in Laichinger Wirtshaus
Hallo Alle,

wieder ein Fundstück aus der Geschichte Laichingens.

Diesmal geht es um einen "Unfallbericht" aus dem Jahre 1852. Der Artikel wurde in dem Buch "Graevell's Notizen für praktische Ärzte über die neuesten Beobachtungen in der Medicin mit besonderer Berücksichtigung der Krankheits-Behandlung" abgedruckt. Das Buch kam 1855 in Berlin heraus.

Der Arzt Dr. S. Strassmann hat in diesem Buch diverse Fallbeispiele verschiedenster Krankheiten zusammengestellt.

Auch über einen Fall aus Laichingen wird berichtet. Hier der Text von der Seite 131 des Buches:

Zitat:Der folgende Fall von Bersten des Krummdarms mit tödtlichem Ausgange ist vom Oberamtsarzt Dr. Riedle in Münsingen mitgetheilt worden.
L. R. befand sich am 30. Nov. 1852 in einem Wirthshause in Laichingen, woselbst er mit seinem Sohne in Streit gerieth. Bei diesem Streite stürzte R. rückwärts auf den Boden, der mit ihm ringende Sohn fiel auf ihn, erhob sich aber wieder u. knieete auf den Bauch seines am Boden liegenden Vaters, um demselben eine Kappe aus seinen Händen zu winden.

Unmittelbar nach dieser Affaire erkrankte der vorher gesund sich fühlende R. anfänglich scheinbar an einem Gastricismus , der aber alsbald in das Bild einer Unterleibsentzündung überging, an welcher letzten der Erkrankte nach 42 Stunden den Geist aufgab. Bei der Inspection zeigte sich äusserlich nirgends eine Spur von Verletzung, dagegen war der Bauch trommelartig gespannt u. aufgetrieben, u. zwischen den falschen Rippen u. dem Darmbein der linken Seite zeigte sich eine starke Geschwulst, die sich bei der Section als die Folge einer Menge ergossener Flüssigkeiten bewährte.

Bei der Section zeigte sich auf der Oberfläche beider vorderen Gehirnlappen ein starkes graues Exsudat als Folge einer früher stattgefundenen chronischen Arachnitis (der Verstorbene war ein Trunkenbold). Die Lungen, das Herz, der Magen, das Pankreas, die Leber, Milz, Nieren u. Harnblase waren gesund, dagegen wurde in der Bauchhöhle eine ziemliche Quantität chocoladebrauner Flüssigkeit wahrgenommen, welche als Darminhalt erkannt wurde. An mehreren Stellen der Gedärme zeigten sich theils grössere, theils kleinere entzündete Stellen, aufweichen man das zum Theil brandig gewordene Bauchfell abstreifen konnte.

Am Krummdarm, 5" vom Blinddarm entfernt, wurde eine Oeffnung von dem Umfange einer grossen Erbse entdeckt, wobei zu bemerken ist, dass auf der äusseren Fläche dieser Oeffnung ein kleiner entzündlicher Gefässkranz, auf der inneren Seite der Oeffnung aber durchaus keine krankhaften
Erscheinungen vorhanden waren.
Quelle: Google Books "Graevell's Notizen für praktische Ärzte..."

Die gescannte Originalseite kann man hier bestaunen --> Scan der Originalseite

Ziemlich viele auch makabere Details. Leider ist nicht überliefert in welchem Gasthaus dieser Zwischenfall passiert ist in folge dessen der arme Mann sein Leben lassen musste.

Sogar solche tragische Geschichten kommen auf solchen Wegen also wieder ans "Tageslicht".

Grüße Jörg

Wer bin ich - und wenn ja wie viele ???
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03.11.2008, 18:36
Beitrag: #2
RE: 1852 tödlicher Streit in Laichinger Wirtshaus
Und das alles wegen einer Mütze (Kappe)... da muss ich mich in acht nehmen wenn mir mal einer "d´Kapp ra doa will" - ein sehr tragischer Vorfall!

Zu der Zeit gab´s in Laichingen Wirtschaften wie Sand am Meer. Es gab ja noch kein Fernsehen und keine Computer... da ist man noch abends zusammengesessen.

derhoim isch derhoim
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04.11.2008, 13:54
Beitrag: #3
RE: 1852 tödlicher Streit in Laichinger Wirtshaus
Wirklich interessant. Wie ein kleiner Streit so böse enden kann. In der Haut des Sohnes möchte ich auch nicht gesteckt haben.
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